Und eines Tages kommt die Katze und frisst mich!

 

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Wenn es weh tut...

Bilder in meinem Kopf...
Ich denke an damals...
An damals, als ich noch klein und unschuldig war...
Ein grinsen erscheint auf meinen Lippen, während ich mich daran erinnere, wie ich weinend vor meine Mutter sitze. Mit blutigen Händen... Aufgekratzt... Alles ist aufgekratzt! Alles ist blutig!
Sie hält einen Topf mit einer braunen Salbe in ihren Händen.. „Teersalbe“, heißt das cremige Zeug darin... Erst Jahre später verstehe ich, wieso dieser Name gewählt wurde.... Sie riecht wie Teer.
Meine Mutter schmiert meine Hände ein, welche sogleich die Farbe wechseln. Von blutrot in teerbraun.
Und es laufen immer mehr Krokodilstränen an meinen Wangen hinab.
„Wenn es weh tut, hilft’s!“, sagt sie.
Meine Tränen versiegen.
Ich vertraue ihr.
Sie ist meine Mutti!

20 Jahre später. Ich stehe vor meinem Auto. Meine frisch angetraute Braut sitzt auf dem Beifahrersitz. Ich musst noch Gratulationen entgegen nehmen, sonst wären wir längst losgefahren.
Meine Augen sind trocken.
Mein Gesichtsausdruck starr. Wenn es weh tut, hilft es.
Der LKW-Fahrer öffnet seine Tür.
Er nähert sich dem Auto.
Sein Blick ist ausdruckslos, wirkt aber trotzdem ängstlich, schockiert!
Wenn es weh tut, hilft es!
Er öffnet die Tür, fasst sie an, fängt an zu flehen, dass sie etwas sagen soll. Sie schweigt. Sie redet nicht gerne mit Fremden. Genau das saget sie, als wir uns kennen lernten, und jetzt sind wir verheiratet. Ich lächle bei dem Gedanken.
Er hilft ihr raus, raus auf die unbefahrene Straße. Welch seltener Anblick. Sonst fahren hier tauende Autos entlang. Oder mehr! Doch sie ist müde, unendlich müde. Sie legt sich hin...
Der Mann versucht sie zu wecken, doch ich will das nicht...
Ich gehe hin, zerre ihn weg von ihr!
Würde am liebste schreien... Würde ihn gern anbrüllen, was ihm einfällt, sie derart brutal durchzuschütteln! Doch meine Worte stecken tief in meinem Mund, kommen nicht heraus, also schweig ich.
Ich gehe zurück, lege mich zu ihr. Sie liebt es, sich an mich zu kuscheln. Doch diesmal will sie keine Zärtlichkeit.
Ich streichle sie trotzdem. Fahre zärtlich durch ihre braunes, weiches Haar, umarme sie.
Und dann erscheint dieses alte Bild vor meinen Augen:
Blut an meinen Händen.
Meine Mutti, die sagt: „Wenn es weh tut, hilft’s!“
Meine lügende Mutter.
Geliebtes Mütterchen.
Wie konntest du mir das nur antun?
Wenn es weh tut, hilft es...
Und doch - trotz all dem Schmerz – rückt der Tod immer weiter Richtung Horizont, in unerreichbare Ferne.
Und doch – trotz des Schmerzes – sterbe ich vor Trauer!
Wenn es weh tut, hilft es...
In meinen Träumen!
Wenn es weh tut, hilft es...
Und Hilfe kommt nur vom Tode.
9.9.06 22:40
 
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